Die Schnecke als Lebenshilfe
Ökumenischer Abschlussgottesdienst der EOS
Gemeinsam mit ihren Klassen- und Religionslehrerinnen feierten die Viertklässer
der Eduard-Orth-Schule in der Versöhnungskirche den Abschied ihrer
Grundschulzeit mit einem ökumenischen Gottesdienst, der unter dem Motto „Von der
Schnecke lernen“ stand. Da stellt sich doch die Frage, in welchem Zusammenhang
Schulabschluss, Gottesdienst und Schnecke stehen. Bei „Schnecke“ fällt einem
spontan die Assoziation „langsam“ ein, die Schnecke hat etwas, was viele von uns
Menschen heutzutage leider nicht mehr haben, nämlich viel Zeit. Und dem Thema
Zeit wird auch in der Bibel viel Beachtung geschenkt. Neun Schüler der
Religionsgruppe von Frau Denig trugen vereinfacht in kindgemäßer Form die
bekannten Verse aus dem Hohelied des Predigers Salomo: „Jegliches hat seine
Zeit“ vor. Dabei hatte jedes Kind immer auf seinem Plakatkarton das in jedem
Vers enthaltene Gegensatzpaar wie „Zeit zum Streiten“ – „Zeit zum Versöhnen“
malerisch gekonnt dargestellt. Zuvor hatte schon die evangelische
Religionspädagogin J. Landgraf in ihrer Ansprache betont, wie kostbar Zeit ist
und trug den Anwesenden das Gedicht „Ich wünsche dir Zeit“ vor. Diese Bedeutung
wurde durch ein Rollenspiel über eine Konferenz der Tiere unterstrichen, in der
sich die anwesenden Tiere über die Menschen beklagten, die ihnen ihre
Erzeugnisse wegnähmen und ihren Lebensraum zerstörten. Nur die Schnecke freute
sich, dass die Menschen ihr ihren Besitz, die Zeit, die sie so gerne besäßen,
nicht stehlen könnten. Dekan Dr. Müller hatte eine Handpuppe in Schneckenform
mitgebracht und besprach mit den Schülern die Besonderheiten dieses Tierchens
und was wir Menschen davon für unsere Lebensgestaltung mitnehmen könnten. Wie
die Schnecke – das stärkste Tier, weil es sein Haus trägt – sollten wir nur das
mit uns schleppen, was wirklich wichtig ist. Gerade in den Ferien sollten wir
unnötigen Ballast abwerfen, uns auf das besinnen, was wirklich wichtig sei.
Jesus übrigens schickte seine Jünger auch in Urlaub, wie der Dekan aus dem
Markus-Evangelium vorlas. In die weiterführenden Schulen nach den Ferien könnten
die Kinder auch nur das Nötigste in die neuen Schulen mitnehmen, ihre Begabungen
und Talente. Ähnlich wie die Schnecke, die sich in gefährlichen Situationen in
ihr Haus zurückzieht und geduldig abwartet, sollten sich die Schüler in den
Ferien erholen und neue Kraft tanken. Sie sollten sich auch in der neuen Schule
Zeit lassen, sich aber nie ganz zurückziehen, sondern mit Bedacht immer langsam
weitergehen. So wie das spiralenförmig aufgebaute Schneckenhaus die ständig Teil
des Tieres sei, so wäre Gott immer mit uns und gäbe uns die nötige Kraft.
Fürbitten, vorgetragen von den Religionsgruppen der Lehrerin H. Braun, das Hand
in Hand gebetete „Vaterunser“ und der „bewegte“ Abschlusssegen durften nicht
fehlen. Für die musikalische Gestaltung dieses eindrucksvollen ökumenischen
Abschlussgottesdienstes sorgte stimmungsvoll die Rhythmus-AG der Schule unter
Leitung von H. Uthardt. An der elektrischen Orgel begleitete dankenswerterweise
die ehemalige Lehrerin Frau Boxheimer die eingeübten Lieder der Schulabgänger.
Nach der Verabschiedung durch die Schulleiterin G. Wittmann bedankte sich die
Religionspädagogin Denig bei den beteiligten Schülern und ihren Kolleginnen
sowie bei Dekan Müller. Allen Kirchenbesuchern teilte sie Süßigkeiten in
Schneckenform zum Naschen für den Rückweg zur Schule aus. Die Viertklässer
erhielten zusätzlich von Kindern aus den dritten Klassen gebastelte Schnecken
zum Andenken an die Grundschulzeit.
Zur gleichen Zeit feierten 35 islamische Schulabgänger gemeinsam mit den
türkischen Lehrkräften, Frau Turan und Herrn Önal, den Grundschulabschluss
erstmals in der Moschee. Die Schüler hatten im Muttersprachenunterricht Gedichte
und ein Stück von Nasrettin Hoca eingeübt. Der islamische Geistliche erläuterte
den Kindern die Besonderheiten der Moschee. Es wäre schön, wenn im kommenden
Schuljahr ein gemeinsamer Abschluss aller Schüler zustande käme.
